Tollkirsche

 

ATROPA BELLADONNA L.

Teufelsbeere, Schlafkirsche, Wutbeere, Wolfsauge, Rasewurz... .

Medizinpflanze, Zauberpflanze.

 

Vor Jahren habe ich „die Schöne der Nacht“  auf dieses Stück Erde gebracht, im Gedenken an jene Kinder, die sie mit der Heidelbeere verwechselt haben und die durch ihren Genuss verstorben sind. Ich bin diesen Kindern geistig in meiner Seele begegnet und sie führten mich einen Pfad entlang, der mein Bewusstsein jenseits von Raum und Zeit öffnete, der mich mit Wärme und Innigkeit erfüllte.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. -

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

Johann Wolfgang von Goethe

Dieses Nachtschattengewächs ist bei uns heimisch, sie wächst bis in eine Höhe von 1700 Meter. 

Sie ist eine charakteristische Staude in den Wäldern. Ihrem kräftigen Wurzelstock

entspringt meist eine dreistrahlige Pflanze.

Sie liebt das zwielichtige Grenzgebiet, in dem Tag und Nacht sich begegnen, humusreichen Boden. 

Sie flieht das Licht.

Ihr Wuchs ist Ausdruck des Kampfes lichter und dunkler Kräfte. 

Sie ist in der „Innenschau“ des Menschen eine sehr gute Führerin. 

Sie kann den Menschen dorthin bringen, wo diese Kräfte wüten. 

Begibst du dich dorthin, beende das Wüten und erlöse die in der Dunkelheit 

Verharrenden und bring sie zum Licht, wenn auch manche in der Schwere und

Finsternis verweilen müssen und wollen. 

Sie ist in allen Teilen für den Menschen giftig, auch wenn Vögel, Kaninchen und andere Tiere sie fressen.

Sie enthält die Nachtschattenalkaloide L-Hyoscyamin, Atropin, L-Scopolamin, Apoatropin, Belladonnin,

 a-Methyllin (blau fluoreszierender Stoff)... . 

In der Asche finden sich größere Mengen von Kieselsäure, Magnesium und Kupfer, 

die verborgene Lichtsehnsucht dieser Pflanze.  

Mythologie:

„Atropa“ abgeleitet von „Atropos“, „die Unerbittliche“, „die Grausame“.

In Ägypten wurde sie als Bier und Palmweinzusatz verwendet.

Ihr Name hat zu großen Verwirrungen - um welche Pflanze es sich in den alten Schriften handelt- gesorgt, 

die bis heute andauern.

Sie wuchs im Garten der Urhexe Medea und wurde immer wieder als Aphrodisiakum verwendet.

In der Antike scheint sie den „Moiren“ (in Rom waren es die „Parzen“) zugeordnet gewesen zu sein. 

Ihr todbringendes Gift durchschneidet den Lebensfaden.. Eine der Drei (Atropos) entscheidet über Leben und Tod.

Es wird vom römischen Arzt und Botaniker Matthiolus (1501-1577) berichtet, 

dass junge Römerinnen sich den Saft der Tollkirsche in die Augen träufelten, um sie leuchten zu machen.

Bei uns im Norden sind es die drei Nornen, Urdh (gewordenes Schicksal, Vergangenheit),

Skuld (Gegenwart), Verdandi (werdendes Schicksal, Zukunft). 

Sie hüten das Schicksalswissen, sie weben den Lebensfaden.

Es ist nicht bekannt, ob sie den Germanen bekannt war. 

Ihre deutschen Namen, „Wolfsauge“, “Wutbeere“  etc. deuten darauf hin. 

Sie wird in Zusammenhang mit den Walküren gebracht. Jeder, der die Pflanze genoss, verfiel ihnen. 

Wotan, Vater der Walküren, von 2 Wölfen begleitet (Geri und Freki („Gierig“ und „Gefräßig“)) , 

wird auch der Rasende genannt.

Eine weitere Spur sind die in keltischer Tradition stehenden Hexenzirkel „Wicca“, 

die sie als Zutat für ihre Orakelräucherungen in der Nacht des Vollmondes vor Samhain verwenden.

Wiccaräucherungen: „Blätter des Wassereppichs, zu Neumond geerntet. Eicheln, zu Vollmond, nackt gesammelt.

Blätter und Blüten der Tollkirsche, nachmittags gepflückt. 

Blätter des Eisenkrauts, am Nachmittag gepflückt. Blätter der wilden Pfefferminze, am Morgen geerntet. 

Blätter der Mistel vom Vorjahr, um Mitternacht geschnitten.“

Die Wiccas verehren das Heilige in der Natur; ihre Gründung erfolgte durch G.B. Gardner (1884-1964).

Die Verteufelung der Pflanze begann bei Hildegard von Bingen.

In der Neuzeit hieß sie bereits „Teufelsbeere“. Sie war sicher eine wichtige Hexenpflanze, 

doch dürften diese über ihre Anwendung genau Bescheid gewusst haben. 

Denn auch bei äußeren Einringen über die Haut (Flugsalben) ist sie sehr gefährlich.

Heilwirkung:

Seit der Antike wird sie heilbringend verwendet. Damals als Narkose- und Schmerzmittel und

zur Vertreibung von Depressionen, Psychosen und Geisteskrankheiten. 

Alle psychischen Zustände, die mit Dämonen (Besetzungen) in Zusammenhang gebracht wurden.

Im 19. Jahrhundert wurden die Extrakte aus Wurzel und Blättern zur Behandlung von Husten, 

Gelbsucht, Wassersucht, verschiedenen Nervenkrankheiten und viele andere Beschwerden verwendet.

Heute wird sie in der Homöopathie als „Atropa belladonna“ in verschiedenen Potenzen verwendet. 

Ebenso in der Phytotherapie sowie als Parasympatholythikum breitgefächerte Anwendung im 

schulmedizinischen Bereich (Anaesthesie, Augenheilkunde, Toxikologie...).

Vor eigener Anwendung warnen wir eindringlich!

 

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